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Ein Kinderreim, der bis zum chinesischen Neujahr herunterzählt

A Children's Rhyme That Counts Down to Chinese New Year

Ein lebendiger Kalender

Dieser kurze Volksreim steht in fast allen chinesischen Lehrbüchern der ersten Klasse. Er funktioniert wie ein lebendiger Kalender und führt Kinder Tag für Tag durch die Rituale, die zum Mondneujahr führen.

In wenigen spielerischen Zeilen zeigt er, wie Erwartung, Vorbereitung und Familienleben sich leise zur größten Feier des Jahres aufbauen.

Der originale Reim (mit Pinyin und einer natürlichen englischen Übersetzung)

小孩小孩你别馋,

Xiǎohái, xiǎohái, nǐ bié chán,

Kleines Kind, kleines Kind, sei nicht so gierig nach Süßem.

过了腊八就是年。

Guò le Làbā jiù shì nián.

Wenn das Laba-Fest vorbei ist, ist das Neujahr schon unterwegs.

腊八粥,喝几天,

Làbā zhōu, hē jǐ tiān,

Laba-Brei wird mehrere Tage lang gegessen,

哩哩啦啦二十三。

Lī lī lā lā èr shí sān.

Und ehe man sich versieht, ist es schon der dreiundzwanzigste.

二十三,糖瓜粘。

Èr shí sān, táng guā zhān.

Am dreiundzwanzigsten isst man klebrige Zuckermelonen.

Ein Kind hält klebrige Zuckermelonen am 23. Tag vor dem chinesischen Neujahr und zeigt damit die Tradition „二十三,糖瓜粘 (èr shí sān, táng guā zhān)“.

二十四,扫房子。

Èr shí sì, sǎo fángzi.

Am vierundzwanzigsten wird das Haus geputzt.

二十五,磨豆腐。

Èr shí wǔ, mó dòufu.

Am fünfundzwanzigsten macht man Tofu.

二十六,去买肉。

Èr shí liù, qù mǎi ròu.

Am sechsundzwanzigsten geht man Fleisch kaufen.

二十七,宰公鸡。

Èr shí qī, zǎi gōng jī.

Am siebenundzwanzigsten bereitet man einen Hahn zu.

二十八,把面发。

Èr shí bā, bǎ miàn fā.

Am achtundzwanzigsten lässt man den Teig gehen.

Teig, der zum Gehen gelassen wird, um Mantou zu dämpfen, und der Brauch „二十八,把面发 (èr shí bā, bǎ miàn fā)“ vor dem chinesischen Neujahr.

二十九,蒸馒头。

Èr shí jiǔ, zhēng mántou.

Am neunundzwanzigsten werden gedämpfte Brötchen gemacht.

三十晚上熬一宿,

Sān shí wǎnshang áo yì xiǔ,

Am Neujahrsabend bleibt die Familie die ganze Nacht wach.

初一初二满街走。

Chū yī chū èr mǎn jiē zǒu.

Am ersten und zweiten Tag des neuen Jahres ist jeder zu Besuch unterwegs.

Was dieser Reim wirklich lehrt

Auf den ersten Blick wirkt der Reim wie ein einfacher Singspruch für Kinder. Tatsächlich spiegelt er eine tief verwurzelte Idee in der chinesischen Festkultur:

Das neue Jahr kommt nicht plötzlich; es wird Tag für Tag vorbereitet.

Jedes Datum im Reim verweist auf eine reale Praxis im traditionellen Mondkalender in den letzten Tagen des alten Jahres, zusammen bekannt als Countdown zum Frühlingsfest.

Kulturelle Hinweise hinter den Zeilen

  • 腊八 (Làbā) bezeichnet den achten Tag des zwölften Mondmonats, bekannt als Laba-Fest. Familien kochen 腊八粥 (Làbā zhōu), einen Brei aus Getreide, Bohnen und Trockenfrüchten.
  • 二十三 (der 23. Tag des zwölften Mondmonats) ist traditionell mit dem Ritual des Küchengottes (灶王爷, Zào Wáng Yé) verbunden, daher tauchen klebrige Süßigkeiten wie 糖瓜 (táng guā) im Reim auf.
  • Putzen, Kochen und Einkaufen verteilen sich über mehrere Tage, was die Arbeit erleichtert und jedem Haushalt einen klaren Rhythmus vor dem Fest gibt.
  • 熬一宿 (áo yì xiǔ) bedeutet, die ganze Nacht wach zu bleiben, eine kindliche Art, 守岁 (shǒu suì) zu beschreiben, den Brauch, das neue Jahr gemeinsam wach zu begrüßen.

Warum dieser Reim heute noch zählt

Selbst in modernen Städten, in denen Familien Essen online bestellen und in Apartments statt in Hofhäusern leben, kennen viele chinesische Erwachsene diesen Reim noch auswendig.

Für Kinder ist es ein spielerischer Reim. Für Erwachsene ist es eine gemeinsame Erinnerung daran, wie sich das Neujahr einst langsam entfaltete, mit Putzen, Kochen, Warten und dem Kalender, der sich weiterdreht, ein kleines Ritual nach dem anderen.